Ambulanzflug – was ist das und wer bezahlt soetwas?

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Ein Ambulanzflug ist die luftgebundene Rückholung  eins Erkrankten, Verletzten oder Neugeborenen aus seinem Aufenthaltsland in das zuvor bestimmte Zielland. Dies erfolgt in der Regel mittels eines zur Intensivstation umgebauten Privatjets. Dieser wird in Anspruch genommen, wenn die zu transportierende Person aufgrund seines Gesundheitszustands  nicht via Bodenambulanz oder Linienflugzeug in sein Heimatland gebracht werden kann oder eine dringende weiterführende Versorgung notwendig ist, welche am Aufenthaltsort nicht gewährleistet werden kann. Die Kosten für einen Ambulanzflug (ca. 2500 € pro Flugstunde) werden von der Auslandskrankenversicherung übernommen, wenn der Patient über eine gültige Versicherung verfügt. Sollte dies nicht der Fall sein, müssen die gesamten Kosten vom Patienten selbst übernommen werden (Selbstzahler). Das medizinische Einsatzspektrum umfasst z.b. intensivpflichtige und/oder beatmete Patienten, Früh- und Neugeborene sowie alle Formen von Traumata. Die meisten Ambulanzflugdienste operieren weltweit.

Chronologie eines Ambulanzflugeinsatzes:

Alarmierung:

Der Einsatzauftrag wird in der Regel vom jeweiligen Versicherungsträger an die durchführende Operationszentrale des Ambulanzflugdienstes erteilt. Hier werden die ersten Basisinformationen erhoben. Wo ist der Patient, wie ist der grobe medizinische Status, muss der Patient in einem Krankenhaus am Aufenthaltsort abgeholt werden und ggf. am Zielort in ein Krankenhaus begleitet werden ( bed to bed). Wird der Patient an den Ambulanzflieger geliefert und wieder abgeholt, spricht man von Airport to Airport. Die Reaktionszeit von Einsatzauftrag bis Take Off beträgt zwischen 3 bis 15 Stunden.

Alarmierung Med. Crew :

Die Med.Crew besteht immer aus einem Rettungsassistenten mit Erfahrung in der Intensivmedizin und Anästhesie und einem Arzt. Diese werden durch die Operationszentrale alarmiert und mit den Basismaßnahmen versorgt. 1,5 Stunden vor Abflug trifft die Med.Crew am Flughafen ein, checkt und verlastet das medzinische Equipment in den Ambulanzflugjet. Zum Equipment zählen unter anderem:

2 Überwachungsmonitore, 2 Beatmungsgeräte, 1 Defibrillator, 4 Spritzenpumpen, 1 Absaugpumpe, 1 mobiles Blutgasanalysegerät, Betäubungsmittel, 1 Notfallrucksack ( mit z.b. Aterie und Zentralem Venenkatheterset ), 1 Vakuummatratze, 1 Sauerstofftasche, ca. 7000l medizinischer Sauerstoff uvm.

In der Zwischenzeit werden der Med.Crew vom Operator via Email der endgültige medizinische Report des Patienten sowie die organisatorischen Rahmenbedingungen zugesandt.

Briefing Med. Crew / Flight Crew:

Nach der Beladung des Fliegers findet das Briefing zwischen Med. Crew und Flight Crew statt. Die Flightcrew besteht immer aus einem Piloten  und einem Copiloten. Bei längeren Flügen wird die Flightcrew um einen Piloten erweitert ( Heavycrew ). Im Briefing werden alle relevanten Daten und Informationen zur Mission ausgetauscht, z.B. welches Flightlevel muss geflogen werden, wie lange sind die Bodenzeiten, muss zwischengelandet werden um zu tanken, ist mit Komplikationen zu rechnen, Wetterdaten, Overnight  usw.

Ankunft im Aufenthaltsland:

Sobald die Med.Crew im Aufenthaltsland Patientenkontakt hat, wird nach Erhebung aller Werte und Befunde des Patienten geprüft, ob dieser „fit for fly“ ist. Sollte dies nicht der Fall sein, kann der Arzt vor Ort den Ambulanzflug ablehnen und auf einen späteren Zeitpunkt verweisen. Bei Vorlage einer Risikobescheinigung , die vom Patienten oder einem Angehörigen unterschrieben ist, werden auch instabile Patienten geflogen. Im Fall einer solchen Risikobescheinigung werden Patient und Angehörige darüber belehrt, dass der Patient auf dem Flug einem erhöhten Sterberisiko ausgesetzt ist. Ausgenommen sind Patienten, die palliativ nach Hause geflogen werden (Fly to die).

Ist der Patient transportfähig, wird die Flightcrew via Telefon kontaktiert und die ungefähre Ankunftszeit am Flieger mitgeteilt. Somit kann diese den Flugplan beantragen. Am Flieger wird der Patient mittels einer Einladehilfe in den Flieger verbracht. Danach wird das dortige Arbeitsplatzmanagement optimiert. Sobald dem Piloten „cabine ready“ gemeldet wurde, kann mit Start und Flug begonnen werden.

Während des Fluges :

Je nach Patientenstatus wird dieser  beatmet, überwacht und versorgt. Dies kann je nach Zielland und Flugdauer mit Zwischenlandungen bis zu 16 Stunden dauern. Die Dokumentation erfolgt hier mittels Tablet und mobilem Drucker. Sollte ein Patient während des Fluges versterben, entscheidet letztendlich der Pilot in Absprache mit dem Arzt, ob das Zielland oder der nächste Flughafen angeflogen wird.

Am Zielland:

Am Zielland angekommen, wird der Patient entweder am Flugzeug an den Rettungswagen übergeben oder bis zum Zielkrankenhaus begleitet und dort dem aufnehmenden Arzt übergeben, inklusiver der Dokumentation während des Fluges. In der Regel wird die Med.Crew mit dem Rettungswagen zurück zum Flieger gebracht. Währenddessen wird der Operationszentrale die erfolgreiche Übergabe des Patienten mitgeteilt. Nach Rücksprache wird im Anschluss entweder die Heimatbasis oder das Aufenthaltsland des nächsten Auftrags angeflogen.

 

14. Januar 2018

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